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"Der Handel gibt Nachhilfe"
Freitag, 17.08.2012
Lebensmittel Zeitung: Herr Malcher, viele Lehrstellen im Handel bleiben frei. Woran liegt’s?
Wilfried Malcher, Bildungsexperte des HDE
LZ-Archiv Wilfried Malcher: Die Besetzungsprobleme hängen unter anderem vom Standort ab. In Ballungszentren ist es traditionell schwieriger, geeignete Bewerber zu finden. Denn hier konkurriert der Handel mit anderen Dienstleistungsbereichen. In Ostdeutschland dagegen ist die Talsohle erreicht. Die Schulabgängerzahlen steigen dort wieder leicht.
LZ: Wo sehen Sie Defizite bei den Kandidaten?
Malcher: Die Mobilität kann ein Problem sein; das hängt auch sehr von den Verkehrsverbindungen ab. Schon eine dreiviertelstündige S-Bahnfahrt nehmen viele für einen guten Ausbildungsplatz nicht in Kauf. Nicht nur Hauptschüler haben zudem Nachholbedarf in Mathematik, vor allem bei Prozentrechnung und Dreisatz. Der Handel leistet hier schon ordentlich Nachhilfe.
LZ: Gibt es Unterschiede bei den Berufen?
Malcher: Ausbildungsplätze zu Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk sind besonders schwer zu besetzen, vor allem im Bereich Fleisch. Diese Tätigkeiten und der Umgang mit der rohen Ware scheinen für viele Jugendliche nicht sonderlich attraktiv zu sein. Auf die Bedientheken im LEH kommen große Probleme zu.
LZ: Wie reagieren die Unternehmen?
Malcher: Viele senken die Anforderungen an Bewerber, zum Teil sogar deutlich. Sei es mit Blick aufs Fachliche oder bei der Passung ins Team. Positiv ausgedrückt: Sie nehmen die jungen Leute, wie sie sind – entwicklungs- und lernfähig.
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